Zu den Arbeiten

In mehr als zweieinhalb Jahrzehnten reichhaltigen Gestaltens hat Cornelia Rohne ihr Anliegen immer empfindsamer, klarer und konzentrierter vorgetragen; bildnerische Arbeit ist das Vergnügen, naturgegebene Stoffe, als etwas Gewachsenens aufgefunden, ebenso naturhaft gebrauchen zu können und ihre Funktionsbestimmung in diesem Zusammenhang genau zu treffen. Zeugnisse dieser Haltung, ihre eigene sensible Naturnähe eingeschlossen, sind die seit 1972 entstandenen Gefäßensemble und Schmuckgegenstände. Bis heute gewannen sie an Originalität, an kraftvollem Ausdruck wie an selbstverständlicher Einfachheit. Dies sind wohl auch die Gründe, weshalb der bloße Anblick und erst recht der Umgang mit den Dingen etwas von ursprünglicher Natur, von der Beziehung zwischen Mensch und Ding erlebbar werden läßt. Damit verbindet sich eine Botschaft über andere frühere Werte und Wertvorstellungen. Wen diese Sprache erreicht, den reizt sie zum genaueren Betrachten, zum Begreifen und zum Nachdenken. Außerdem wird in jeder Arbeit jenes erwähnte Vergnügen am bildnerischen Tun fühlbar.

Das letzte Gefäßensemble – Cornelia Rohne schuf bisher mehrere, äußerst originelle, von denen sich zwei im Museum für Kunsthandwerk Leipzig, Grassimuseum, befinden – verrät einen wichtigen Hintergrund für das vergnügliche Arbeiten: die Fähigkeit, inneren Witz in Dingen sinnlich faßbar zu machen und anderen mitzuteilen. Es scheint, als könne bei Cornelia Rohne jederzeit ein Erlebnis entsprechende Eingebungen bewirken, die, wie hier, recht humorvoll Gestalt gewinnen. Ein Leuchtturm inspirierte zu einer aufregenden schlanken Kanne, eine Boje zu einem Sahnegießer auf einem Stand (Rettungs)-Ring und schließlich ein wogendes Schiff zu einem überraschenden Zuckergefäß. So originell und neuartig dieses, den Tisch schmückende wie gebrauchsorientierte Service ist, so selbstverständlich ist es geformt. Der feine Humor, das freie, doch gezielte Spiel mit Material, Form und Funktion sind ideale Bedingungen für das Entstehen von Neuheit. Es ist durchaus nicht alltäglich, dass der Witz des Machers den Spaß des Benutzers trifft – hier jedoch dürfte beides einander entsprechen und die Kaffeestunden erheitern und beleben. Ohne Zweifel hat die Gefäßkunst, die Cornelia Rohne als gelernte Gürtlerin vehement beherrscht, die Schmuckgestaltung hin zu kraftvoll geschlossenen und voluminösen Formen gelenkt. Selbst kleinformatige Stücke, wie die Anstecknadel mit einer treffend charakterisierten Katze tragen diese Zeichen. So kommt es, daß der Gesamtarbeit von Cornelia Rohne dieselbe Geschlossenheit und Klarheit eignet, wie dem einzelnen Stück. Ihr Schaffen ist unikal, auf sich selbst gegründet und ohne fremden Klang, ohne Verweis auf eine Schule oder im Trend liegende Orientierung.

Gefäße und Schmuck von Cornelia Rohne wirken nachhaltig fort, entweder in genauer Erinnerung oder in ständigem Gebrauch.

Dr. Angela Grzesiak (ehemalige Direktorin des Museums für Kunsthandwerk Leipzig), Katalogtext 2001